INTERVIEWS VOM TAUTENHAHN:
Erick von Däniken, Nigel Kennedy, Tommy Emmanuel, Dian Hanson


"Im Gespräch mit Gitarrist Tommy Emmanuel"

Emmanuel
Läuft das Gerät? Test, test, lecker, lecker...

RT
Wie trainieren Sie ihre Finger?

Emmanuel
An manchen Tagen interessieren sie sich für das, was ich will – an anderen Tagen machen sie, was sie wollen. Ich spiele ja eigentlich dauernd, bin auf Reisen, gebe Konzerte – an die 300 im Jahr. Gestern zum Beispiel habe in Mailand 2 Konzerte an einem Abend gegeben, und das zweite Konzert fing erst um halb elf an. Ich kam nicht vor 2 Uhr morgens zurück ins Hotel, musste um 7 aufstehen, Koffer packen. Und dann sind wir mit dem Auto hier nach Wiesmühl gefahren. Ich hab ein wenig im Auto gespielt. Ich beschäftige mich jeden Tag mit meinen Gitarren. Die Saiten werden jeden Tag gewechselt und eingespielt.

RT
Welchen Saitenstärken spielen Sie?

Emmanuel
12 bis 45, und auf der großen Gitarre 30 bis 65.

RT
Das ist ja fast so dick wie die Sehne bei einem Jagdbogen...

Emmanuel
Ja, warum nicht. Ich bearbeite die Gitarre ja ziemlich und ich mag es, wenn die Gitarre ein wenig zurück kämpft!

RT
Der beste Gitarrenspieler der Welt! Halten sie sich im Ernst auch dafür?

Emmanuel
Phhhhhh..... ich weiß nicht, wer das mal in die Welt gesetzt hat. Ich spiele gerne, so wie jeder andere auch. Wie kann man sagen, jemand ist da und da der Beste. Ich glaube diesen ganzen Quatsch nicht. Es kann gar nicht stimmen, da sind so viele, die besser sind als ich. Ich bin glücklich spielen zu können – und dass ich mehr Arbeit habe, als ich bewältigen kann. Ein Mann braucht einen guten Job. Und ich habe einen guten Job! Wenn ich Gitarre spiele, passiert was mit den Menschen, die zuhören. Ich weiß nicht was es ist, aber es ist gut. Gut für die Menschen, gut für mich. Ständig das Beste zu geben, so betrachte ich mein Leben. Gott hat mir ein Talent gegeben, und er will, dass ich es einsetze. Aber er will nicht, dass ich mich umbringe. Er will nicht, dass ich so hart arbeite, dass es mich verletzt, oder dass ich meine Inspiration verliere. Ich denke es ist ganz einfach im Leben. Dreh auf und gib dein Bestes. Das ist alles.

RT
Einige der großen Legenden an der Gitarre leben noch. Mit wem würden sie gerne noch mal spielen?

Emmanuel
Oh, mit Eric Clapton habe ich seit 1999 nicht mehr gespielt. Chet Atkins lebt nicht mehr... Les Paul gibt es noch, und mit ihm spiele ich jedes Mal, wenn ich in New York bin. Er ist 94 Jahre alt und gibt nach wie vor jeden Montag ein Konzert. Er spielt tatsächlich noch. Ich bin 53, da habe ich noch einiges vor mir. Von denen, die noch leben und die wohl größten Spieler sind, halte ich George Benson für den besten Jazzgitarristen, die ich je gehört habe. Da kommt niemand auch nur annähernd ran. Aber es gibt trotzdem noch genug gute Gitarristen. Die Welt ist voll von guten Musikern.

RT
Ach, neulich sagte mir jemand, Eric Clapton sei ein lausiger Gitarrist...

Emmanuel
lacht.... Oh, ich denke er kann Qualität von Mist unterscheiden...

RT
Wie weit wollen sie noch gehen? Wann ist Schluß, wann haben sie an Perfektion alles erreicht?

Emmanuel
Das Ende ist erreicht, wenn sie dich in eine Kiste stecken und unter die Erde graben. Dann ist das Ende erreicht. Das Ende deines Lebens, aber die Musik bleibt ja da.

RT
Benutzen sie irgendwelche Synthesizer?

Emmanuel
Nein, nur einen deutschen Gitarrenverstärker und als Effekt einen ganz leichten Reverb.

RT
Wie viele Gitarren sind im Laufe der Jahre drauf gegangen?

Emmanuel
Oh, eine Gitarre bei mir hält im Schnitt 6-8 Jahre.

RT
Irgendwelche Hölzer, die Sie bevorzugen?

Emmanuel
Ich bevorzuge australische Hölzer, Maple. Sieht aus wie Mahagonie und verhält sich auch so. Die große Gitarre ist aus Rosenholz.

RT
Wenn ihr Instrument ein weiblicher Star wäre, welche Person könnte das sein?

Emmanuel
Oooohhh.... Julie Andrews, Madonna.... da sind so viele tolle Frauen draußen die ich bewundere und es kommen noch so viele Talente.

RT
Haben sie auch in Fußgängerzonen gespielt?

Emmanuel
Als Kind. Wir waren sechs Kinder, vier davon machten Musik. Und wenn wir kein Geld hatten, warteten wir vor der Kneipe, bis die Männer kamen und machten Musik. Mein Vater ging dann mit dem Hut rum. Das gab Geld, um was zu Essen und ein wenig Benzin zu besorgen.

RT
Es gibt gerade Studien zur Musik der Steinzeit. Wie stellen sie sich das vor?

Emmanuel
Wahrscheinlich nur Rhythmen und Musik aus der Stimme. Ich denke nicht, dass sie so etwas wie eine Gitarre hatten. Vielleicht sollten wir Bill Wyman von den damaligen Stones fragen...

RT
Sie trinken keinen Alkohol – und spielen heute Abend in einem der schönsten Bierzelte Bayerns, in dem die Kastanien innen drin sind. Ein Problem?

Emmanuel
Nö, es heißt ja Beer and Guitar. Außerdem trinke ich Bier. Nicht viel, wegen meiner Herzprobleme. Mein Vater starb, als ich 10 war, deswegen gebe ich nicht so viel Gas.

RT
Buz Luhrman ist ein erfolgreicher australischer Regisseur. Für die Regierung hat er mal ein Stück gemacht, in dem er Lebensweisheiten zum Besten hält – mit dem einzigen Schluß: Tragt Euch Sonnenschutz auf, wenn ihr nach draußen geht. Machen Sie das in Australien?

Emmanuel
Nein, niemals. Ich bin mit der Sonne aufgewachsen, ich liebe sie. Genauso wie Sie, das sehe ich doch an Ihrem Gesicht. Viele Menschen, gerade in Australien, sind an Hautkrebs gestorben. Aber ich werde niemals Sonnencreme oder eine Sonnebrille tragen. Buz Luhrman sagt: Nehmt Sonnenschutz! Mein Rat ist: Traut niemals einem Mann der in einem Raum mit einem gehäkelten Teewärmer ist – und der ihn nicht anprobie
rt!

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