INTERVIEWS VOM TAUTENHAHN:
Erick von Däniken, Nigel Kennedy, Tommy Emmanuel, Dian Hanson


"Wirklich eine weiße Weste – oder was stimmt nicht?"
Rainer Tautenhahn im Interview mit Erich von Däniken 2009

RT
Erich von Däniken, im Internet findet google aktuell 643.000 Einträge über Sie. Da ist nicht immer Positives dabei – ist das Gesamtwerk selbst recherchiert, oder doch eher aus den Fingern gesogen?

EvD
Jedes meiner Bücher hat exakte Quellenangaben. Die sind mit Nummern versehen, und die stimmen alle – also ist blitzsauber recherchiert worden!

RT
Wenn Sie in den Medien als einer der letzten großen Geschichtenerzähler bezeichnet werden – gehen Sie dann nicht gelegentlich Abends ins Bett, lachen sich ins Fäustchen und denken sich: Hähä, wenn die alle wüssten, dass nix stimmt...

EvD
Was in meinen Sachbüchern bearbeitet wird stimmt alles. Natürlich habe ich unterschiedliche Ansichten. Ich sehe die Dinge anders als Theologen oder Archäologen sie sehen. Daher der Streit. Aber was reportiert, was zitiert oder in Bildern gezeigt wird existiert. Ob aus uralten Überlieferungen oder realen Rätseln irgendwo in der Landschaft.

RT
Die Seiten von ehernen Wissenschaftlern, die sich verächtlich von Ihnen abwenden hat etwas abgenommen. Haben Sie die mit Ihrem Vermögen bestochen, oder ist denen der Däniken mittlerweile wurscht?

EvD
(lacht) Mit Geld bestochen bestimmt nicht. Aber Däniken ist älter geworden und hat Gott sei Dank gelernt. Er wiederholt die alten Fehler nicht. Wann immer ich mit einem Wissenschaftler diskutiere, weiß ich, dass der in seinem Spezialgebiet weit mehr Wissen hat als ich. Andererseits weiß ich viel mehr als der Wissenschaftler über mein Spezialgebiet. Nach jeder Diskussion gibt es dasselbe Ende: Ich hab was gelernt und der Wissenschaftler sagt: „Das wussten wir gar nicht – danke für Ihre Information!“

RT
Und wie viel Verbrecher steckt in Ihnen? In einigen Links und Foren werden Sie als Betrüger bezeichnet. Und immerhin saßen Sie ja in den Siebzigern auch einige Zeit im „Knast“, wenn ich wörtlich aus dem Internet zitieren darf.

EvD
Das ist tatsächlich richtig. Ich wurde mal verhaftet – für einen so genannten Steuerbetrug, den ich aber nie begangen habe. Nur, das ist über 40 Jahre her, und ich habe keine Lust mehr, auf diesen alten Beschiss einzugehen. Und wenn’s Fremde tun, stimmt mit ihren Neidkomplexen etwas nicht. Denn keiner der Schlaumeier hat mich je befragt, geschweige denn Einsicht in meine Dokumente gewünscht.

RT
Warum hat sich der Prozess gegen Sie so lange hingezogen?

EvD

Alles, was ans oberste Gericht geht, dauert eine kleine Ewigkeit. Es gab ja dann auch international viel Kritik über Art und Weise des damaligen Prozesses.

RT
Das soll alles gewesen sein? Wie viel Gerichtserfahrung haben Sie denn nach dem ersten Prozess bis heute noch sammeln müssen?

EvD
(lacht) Außer, dass ich hie und da zu schnell fahre und mal für einen Monat den Führerschein los bin, habe ich keinerlei Gerichtserfahrung.

RT
Naja, gibt es dafür auch Beweise? Das blaue Sakko ist ein Markenzeichen, an dem Sie jeder erkennt. Ich interessiere mich eher für die „weiße Weste“. Es gibt doch in der Schweiz sicher auch ein polizeiliches Führungszeugnis. Haben Sie ein aktuelles?

EvD
(steht auf und geht zu einem Aktenschrank in seinem Büro) Was es bei uns gibt, sind Auszüge aus dem Zentralen Strafregister. Ich hol Ihnen mal einen. Der hier datiert schon vom 4. Oktober 1982. Da steht: Erich Anton von Däniken etc. ist im Strafregister nicht verzeichnet. Und das gilt für alle nachfolgenden Strafregister. Alle die Besserwisser, die mir was anhängen wollen scheinen nicht zu wissen: dass das Kantonsgericht von Graubünden bereits am – Moment (EvD holt einen weiteren Ordner aus seinem Aktenschrank) – am 23. März 1982 alle ehemaligen Urteile gegen mich aufgehoben hat. Wen es interessiert: Aktenzeichen SF 5 / 70.

RT
Sie haben doch einen Doktortitel – den könnten Sie doch locker im Pass führen, oder auf dem Buchtitel.

EvD
Das schaut dann nach Bluff aus. Ich habe tatsächlich einen Doktortitel. Aber der ist mir mal geschenkt worden. Von der Universidad Boliviana in Sucre. Sucre ist die Hautstadt von Bolivien – und nicht La Paz. Aber damit geh ich wirklich nie hausieren. Ich erhielt auch da und dort ein paar Ehrungen, die wie vergilbte Pergamente im Vorzimmer meines Sekretärs baumeln. Angeben tut man damit nie.

RT
Das 57-Millionen-Euro-Projekt Däniken – Park war zum Scheitern verurteilt: Naturschützer beklagten die Verschandelung der Landschaft. Aktienbesitzer verloren ihr Geld. Immer noch von der Idee überzeugt, oder war das geplante Abzocke?

EvD
Ich hab noch niemanden abgezockt. Der Mystery Park war zwar meine Idee, ich hab alle Texte geliefert und der Park kam in finanzielle Schwierigkeiten, weil Finanziers sich ein wenig in die Haare kamen. Inzwischen ist der Mystery Park wieder offen, allerdings nur bis November 2009. Und ich hoffe, das bleibt auch danach so. Kritiker sollten erst mal in den Park gehen und sich erst danach eine Meinung bilden.

RT
Manche sähen sie immer noch gerne im Knast? Ob das so gut wäre? Vielleicht reagieren Sie dann wie Karl May und schreiben noch phantastischere Geschichten?

EvD
Manche würden mich nicht nur gerne im Knast sehen, sogar auf den Mond würden sie mich schießen. Mir persönlich wäre in dem Fall der Mars aber lieber.

RT
Braucht die Welt Däniken wieder? Im Internet finden sich frische Kontakte in ehemalige Sowjetrepubliken und in die USA.

EvD
In den USA hat der History Channel vor einigen Monaten eine 90 minütige Sendung gedreht, die hieß „Ancient Aliens“ und da kamen verschiedene Wissenschaftler zu Wort: die Theorie des Erich von Däniken hat hervorragend abgeschnitten! In Russland gibt es eine Fernsehgesellschaft, die mir eben ein langes Exposè geschickt hat. Dort soll ich die Moderation übernehmen. Wenn man in einem Land wenig hört von mir bin ich nicht unglücklich – dann ist halt in einem anderen Land gerade mehr los. Hauptsache ich lebe, bin gesund – und rauchen tu ich auch noch. Zudem schreibe ich gerade an einem neuen Buch.

RT
Also, dann warten wir jetzt einfach mal auf den Dezember 2012. Da sagen Sie ja: die Götter kommen zurück auf die Erde…???

EvD
Das wäre eine lange Geschichte. Bei den Maya gibt es tatsächlich diese Prophezeiungen. Und wenn man den exakten Mayakalender umrechnet auf unseren Kalender, dann sollen die so genannten Götter am 22en Dezember 2012 wiederkehren. So weit, so gut. Nur, stimmt denn unser Kalender? Wir wissen nicht mal, was die frühen Christen gemacht haben: ob das Jahr Null tatsächlich das Jahr Null war, oder ob man schon 20 Jahre verschluckt hat. Wir wissen nicht, was im früheren oder im späteren Mittelalter bei den Kalenderänderungen durchgezogen worden ist. Also kann man sich auf das Datum nicht verlassen, weil unser Kalender falsch ist. Verlassen kann man sich aber auf die Rückkehr der Götter. Der „Jüngste Tag“ – oder der Götterschock - stehen uns noch bevor. Irgendwann…

 


„Das sind keine Visionen“

Mit seinen Theorien über Außerirdische wurde Erich von Däniken berühmt. Im Interview berichtet er von Indizien, seiner Entwicklung und wie er 40 Jahre währende Kritik ausgehalten hat.
Von Rainer Tautenhahn

FOCUS Online: Herr von Däniken, wann und wie haben Sie angefangen, Erinnerungen an die Zukunft zu schreiben?

Erich von Däniken: Ich war im Gymnasium, wurde katholisch erzogen und hatte plötzlich Religionszweifel. Konnte nicht mehr alles glauben, was da geboten wurde – und wollte wissen, ob andere Völker im Altertum auch so komische Geschichten haben, wie wir sie in der Bibel lesen. Der Prophet Hesekiel beispielsweise beobachtet, wie ein Fahrzeug aus den Wolken fährt. Der Prophet beschreibt die Räder, die Felgen, die Flügel. Nicht nur was er sieht, auch was er hört. Er vergleicht den Lärm mit dem Getöse eines Heerlagers, mit dem Rauschen vieler Wasser. Ich wollte wissen, ob andere Religionen so etwas auch kennen. Irgendwann kam ich auf die Idee, dass die nicht vom lieben Gott reden. Das sind keine Visionen, das sind keine erfundenen Geschichten. Da hat sich was abgespielt. Wenn es nicht der liebe Gott ist, wer bleibt dann noch? Außerirdische? Damit saß ich auf einem Vulkan. Ich habe ein Manuskript geschrieben.

FOCUS Online: Bei dem Manuskript sagten 20 Verlage ab.

Von Däniken: Mindestens 20. Ich war fast verzweifelt. Immer derselbe Brief. Ich hatte das Manuskript unter anderem auch schon meinem Traumverlag geschickt, dem Econ-Verlag in Düsseldorf. Dort haben sie Bücher über Raumfahrt publiziert. Auch dort ist mein Buch rausgeflogen. Ich war damals Direktor eines Hotels und hatte an der Bar einen Gast, der immer wieder kam. Er hieß Thomas von Randow, Wissenschaftsredakteur bei „Die Zeit“ – natürlich sprachen wir immer über mein Hobby. Er sagte mir: „Erich, Du musst ein Buch schreiben.“ Ich sagte: „Ich habe eins, aber wie finde ich einen Verleger?“ Er meinte: „Ich kenne einen!“ Er rief denselben Econ-Verlag an, der mein Manuskript abgelehnt hatte. Aber er kannte den obersten Boss. Der sagte: „Können Sie morgen nach Düsseldorf kommen?“ So fing es an.

FOCUS Online: Waren Sie sauer, dass am Anfang nur 6000 Exemplare gedruckt wurden?

Von Däniken: Für einen Autor, der noch nie vorher ein Buch geschrieben hatte, waren 6000 schon sehr viel. Nur, die waren schon weg, kaum waren sie gedruckt.

FOCUS Online: Mittlerweile sind es 32 Bücher mit einer Gesamtauflage von 63 Millionen Exemplaren. Haben Ihre Bücher Sie reich gemacht?

Von Däniken: Nein! Als Jungautor war ich schlicht und einfach dumm, was das Verlagswesen betrifft. Ich habe mich über den Tisch ziehen lassen.

FOCUS Online: 1973 machte der „Spiegel“ mit dem Titel „Der Däniken-Schwindel“ auf. Haben Sie sich ein Exemplar gekauft?

Von Däniken: Ja, ich hab den Titel gelesen. Ich kannte ja die ganze Story und wir hatten lange Gespräche geführt mit den „Spiegel“-Redakteuren. Sie waren fair. Viel anders hätten sie gar nicht schreiben können, das hätte der Zeitgeist nicht erlaubt.

FOCUS Online: Was waren Ihre größten Fehler?

Von Däniken: Ach Gott, ich war zu jung, das heißt: zu dumm. Zu leichtgläubig, zu begeisterungsfähig. Ich habe jeden Unsinn mitgemacht, auch das kleinste Indiz als Beweis angenommen.

FOCUS Online: Wäre das nicht die Krönung des Lebens: ein Ufo, das landet – ein außerirdischer Gegenstand, ein Beweis?

Von Däniken: Ich hab immer noch kein Ufo gesehen. Ich hab den Verdacht, wenn der Erich von Däniken auftaucht, dann rauschen die ab. Aber das wäre die Pointe, einen außerirdischen Gegenstand zu finden. Hauptsache, die Wissenschaft akzeptiert den Beweis und verkündet dann tatsächlich: Wir haben hier einen Gegenstand nicht irdischer Art – und zwar nicht irgendeinen Meteoriten – sondern einen Gegenstand, der etwas Technisches repräsentiert. Und damit hätte Däniken recht, denn der Gegenstand ist Jahrtausende alt.

FOCUS Online: Eine Ihrer Thesen handelt von missverstandener Technologie. Wie geht ein bald 74-Jähriger mit moderner Technik wie Handy und Internet um?

Von Däniken: Wie alle 74-Jährigen! Ich brauche beim Handy gerade das, was ich muss: SMS, Telefonieren, Anrufe entgegennehmen. In meinem Büro habe ich selbstverständlich einen Laptop, da schreibe ich fleißig meine Bücher drauf.

FOCUS Online: Wie steht man 40 Jahre Kritik durch?

Von Däniken: Das ist eigentlich eine Kleinigkeit. Man muss akzeptieren, dass die Kritiker keine bösen Menschen sind, die einem persönlich ans Leder wollen. Sondern einfach Menschen, die eine andere Auffassung zu Indizien haben. Sie kritisieren eine Sache, nicht die Person. Dann lernt man sehr wohl, damit umzugehen. Natürlich gibt es bösartige Kritik, die unter die Gürtellinie zielt. Die schmerzt, die tut weh. Damals hatte ich einen alten, väterlichen Freund – Professor Dr. Hermann Oberth. Er hat gesagt: „Erich, das muss an Dir ablaufen wie Jauche an einer Marmorsäule.“ Ist mir geblieben.

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